So - fangen wir einfach mal beim Klang einer Gitarre an:

1. Akustische Gitarre - Konzert Gitarre

Weich, schöne und warme Bässe, teilweise anmutig klingende Höhen, gesunde Mitten, da ist alles drin, was ein Zuhörer und Gitarrist braucht. Jeder Gitarrist hat eine eigene Anschlagart und Dynamik und entlockt dem Gerät ganz andere Töne und Klänge wie eben ein anderer. Am Instrument selbst brauche ich also nichts anderes tun wie ordentlich spielen.

Wie nehme ich eine Konzert Gitarre ab? Falls du nicht ein ultra neues Gerät besitzt, daß mit Tonabnehmer ausgerüstet ist, ist es in der Regel so, daß du auf Konzerten, Bühnen oder bei Auftritten immer Mikrofone sehen kannst. Vielleicht hat es schon mal gepfiffen, Rückkopplungen, Brummer oder sonstiges Gekrächze gegeben. Gar nicht so einfach. Das einfachste Kriterium ist: So wie die Gitarre vor dir klingt sollte oder könnte sie auch über eine Anlage klingen.

==> P.A. - Mischpult und Saalentzerrung

Hier ist der Mann am Mischpult sehr gefragt, um zu beurteilen, wie die Raumakustik beschaffen ist (Decke, Böden, Wände, Stühle, Polster, Dämmungen, Teppiche, Vorhänge oder gar Freiluftkonzert Bühnen usw...), wieviele Zuhörer anwesend sind und natürlich wie das Mischpult und die P.A. Lautsprecher darauf reagieren. Raffinierte Tonmeister oder Techniker haben bestimmt ihre Saalentzerrung mit dem Terz Oktav EQ (32 Bänder für links und rechts einzeln) vorgenommen um schon einmal die schlimmsten Frequenzen in den Griff zu bekommen. Mit Tonhöhenverschiebungen um ein paar Cent kann man auch schon dem Feedback entgegenwirken, dabei wird das ganze P.A. Signal um ein paar Cent verändert, sodaß die Frequenzen der Musiker und Instrumente nicht mehr exakt gleich sind mit der Tonhöhe, die aus den P.A. Lautsprechern kommt.

Habt ihr das nicht zur Verfügung kann man auch mit einer geschickten Drei-Punkt Entzerrung, die meistens bei den Frequenzen von 100 - 250 Hz, um die 700 - 1000Hz und bei etwa 10 bis 12 kHz liegt, den Saal schon mal dienstbar machen. Wer hier praktische Hilfe braucht, dem empfehle ich das Buch von Uli Eisner's - Mixing Workshop - in dem er sich einem schlimmen "Schweinesaal" mit dieser Methode nähert und Super Ergebnisse erzielt. Der Mixing Workshop war in Serie der Zeitschrift "Sound Check" enthalten und so bin ich auf Uli's hervorragende Klangbeispiele geraten und hab es mir immer wieder verinnerlicht. Absolut empfehlenswert, wer sich mit Klang, Ton, Sound und Arrangement von Songs beschäftigen will. Soviel ich weiß hat Uli schon Deep Purple gemischt, kennt alle gängigen deutschen Musikproduzenten wie Paul Vincent und ist Tonmeister seines Faches. Wie gesagt, der Mischpult Mann sollte der beste Musiker sein, und wissen, wie ne Konzert Gitarre klingen muss und ständig im Eingriff sein, wenn sich irgendetwas anbahnt - hier gilt sofortiges Eingreifen an der richtigen Frequenz oder Lautstärke. Euer Profiladen kann euch ebenfalls gute Tipps mitgeben.

Eine übliche Methode ist es auch, den Saal mit Analyzern einzumessen und schnell und einfach festzustellen, wo die Hauptübel Frequenzen im Saal sind. Danach kann man gezielt die lästigen Frequenzen herausfiltern oder andere Maßnahmen ergreifen, um ein Aufschwingen oder Feedback zu verhindern.

==> Mikrofone

Tja, wenn ihr nicht viel Finanzen zur Verfügung habt werdet ihr wohl mit einem dynamischen Mikrofon hantieren, auch das geht. Eine ausgefeilte Aufstellung an der richtigen Stelle kann auch hier schon weiterhelfen. In der Regel verwenden viele Leute Kondensator Mikrofone, um den Abstand etwas bequemer und weiter weg zu gestalten. Für's Studio empfehle ich dir Großmembran Mikros, da ich selber schon jahrelang damit hervorragende Ergebnisse eingespielt habe. Alles ausprobieren und immer auf Nummer sicher gehen, ob es auch bei etwas mehr Lautstärke schon scheppert, pfeifft oder kracht. Positionen nachkorrigieren - auf zuviel Höhen oder zu stark wumpernde Bässe achten, vor allem wenn kräftig angeschlagen wird und die Klampe in dem Bereich spielt, die der Saal gerne verstärkt und dann dröhnt.

==> Clip Mikros, Transducer oder Mikros im Innern

Ob nun Konzert Gitarristen sich aufklebbare Teile an die Gitarre stecken hab ich noch nicht so oft gesehen, vielfach werden vor dem Interpreten Mikros positioniert, was ab und an ganz schön schief geht, selbst bei Profiauftritten. Eine Möglichkeit ist das allemal Wert, nachzufragen, ob und wie und mit welchem Budget ihr einsteigen müsst und wie euch das ganz dann auch gefällt. Je nach Budget, das dir zur Verfügung steht kannst du sehr ordentliche und gut klingende Ergebnisse erzielen. Im Internet und bei großen Musikgeschäften gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, akustische Gitarren abzunehmen. Wer auf Anhieb gleich die richtige Wahl trifft, kann vom Glück reden, denn eigentlich muss man einiges durchprobieren, da wir alle unterschiedliche Raum- und Saalvoraussetzungen haben, ob nun zuhause, im Studio, in großen Proberäumen, auf Konzerten, der Bühne oder über große P.A. - dies alles ist so sehr von der Umgebung und Ausstattung euerer Anlage abhängig, daß man kein Pauschalurteil abgeben möchte. Eine fachkundige Beratung und viel Praxis erspart euch einen Fehlkauf und die Zeit, die ihr investiert ist sehr gut angelegt.

2. Akustische Gitarre - Westerngitarre

Sooo - hier wird es schon interessanter. Da es ja viele Westerngitarren gibt - von schrottig bis zu höchstwertig - von reiner Gitarre bis zu den ausgefeiltesten Tonabnehmersystem - alleine schon die Wahl deiner Saiten macht Unterschiede - vor allem in welchen Lagen du spielst - welches Plektrum du verwendest - und mit welchem Equipment du spielst und wie versiert du damit umgehen kannst - ob Dreadnought, Jumbo, klein oder groß, mit oder ohne Cutaway - das alles macht die Sachlage ganz schön schwierig wenn es um Klang, Sound geht. Für die reine Abnahme über Mikro lies dir bitte den oberen Part für Konzertgitarren durch. Hier gilt ähnliches.

Darf ich einfach davon ausgehen, daß du eine Westerngitarre mit Tonabnehmer hast, einen amtlichen Akustik Gitarren Verstärker und vielleicht sogar noch ein paar schöne Effekte wie Chorus, Reverb usw... mit denen du dich wohlfühlst.

==> Aufnahmen

Das Aufnehmen direkt von der Gitarre in ein Gerät empfehle ich dir nicht, nutze doch am besten deinen Line Out deines Verstärkers oder manchmal auch den Kopfhörerausgang um dein schon ausbalanciertes und klanglich abgestimmtes Ergebnis aufzuzeichnen. Da akustische Gitarren mit sehr unterschiedlichen Abnehmern ausgerüstet sind ist einfach eine Nachbearbeitung des Klanges über einen Verstärker unumgänglich, wenn es gut klingen soll. Damit steht schon einmal die halbe Miete für einen guten Klang. Achte darauf, daß dein Signal auch nicht bei Vollausschlag übersteuert oder du nicht zu leise spielst. Kompressoren in den Kanalzügen deines Mischpultes helfen hier recht gut weiter. Jedoch nicht zu hoch komprimieren. Eine erste Wahl wäre eine Ratio von 2:1 bis max. 4:1, ein Threshold zwischen 6dB und max 18dB, je nach Geschmack und dann den Gain wieder etwas hochdrehen, damit das plattgemachte Signal wieder lauter wird. Es sollte auf keinen Fall "pumpen". Attack und Release lasse ich meistens auf "Auto"-Stellung, das sind die Einstellungen, in dem du bestimmst wie schnell der Kompressor einsetzt (Attack) und wie lange er die Kompressionsphase hält, bis er wieder nachlässt (Release).

Wenn die Aufnahme noch nicht exakt so klingt wie du es im Zimmer hörst ist das noch kein Problem. Du kannst mit einem amtlichen semiparametrischen 3-Band EQ alles so nachbearbeiten, bis es passt, vorausgesetzt, du hast deine Gitarre so natürlich wie möglich eingestellt und aufgenommen.

Für ein Lied kannst du nur eine Spur aufnehmen, die du in die Mitte setzen wirst, oder du nimmst dein Stück nocheinmal oder gar noch zweimal auf und hast dann mehrere Spuren, die du sowohl in die Mitte, links und rechts legen kannst und zusätzlich klanglich stark abänderst, sodaß du den Effekt hast, als ob 3 unterschiedliche Gitarristen spielen würden. Spielst du z.B. 2x den gleichen Gitarrentake ein und legst die Spuren links und rechts, hört sich das ganze schon an, als ob du einen Choruseffekt verwendest, da die Phasenverschiebungen deines Spielgefühls beim gleichen Stück ständig schwanken. Hab ich oft gemacht, hört sich einfach breiter an. Für wichtige Stücke muss das aber nicht gut sein, es ist nur eine Möglichkeit von vielen.

Du kannst auch deine Gitarre gleichzeitig mit Mikro und über den Line out aufnehmen und hast gleichzeitig zwei klanglich unterschiedliche Signale. Dabei kannst du dein Mikro zum Hals hin richten und hast nur noch die brillianten Obertöne, oder senkrecht zum Schalloch und bekommst einen voluminösen fast dröhnenden Klang oder von hinten zum Schalloch hin und bekommst wieder eine andere Charakteristik. Hier kannst du experimentieren bis du nicht mehr kannst.

==> Klang einstellen

Eine akustische Gitarre hat sehr starke Schwingungen im Bassbereich, falls man sie mit dem Mikro gleich voll erwischt oder aber sie gehen über den Tonabnehmer flöten. Das alles kannst du mit dem Verstärker und mit deinem EQ in deiner Gitarre ausgleichen.

Am besten spielst du mal ganz extrem mit den Tonregler am EQ deiner Gitarre rauf und runter und beobachtest, wo es am besten und wo es am schlimmsten klingt. So findest du sehr schnell heraus, wie du deinem Zielklang am nächsten kommst. Zusätzlich haben Akustik Gitarren Verstärker noch Notch Filter und diverse andere Sachen. Der Notch Filter kann sehr nützlich sein, wenn es bei irgendeiner Frequenz im lauteren Bereich furchtbar dröhnt und sich somit störende Frequenzen stark aufbauen. Die kann man eben mit einer gezielt Einstellung stark absenken. Meist ist dies bei Akustik Gitarren und deren Verstärkern eine Frequenz, weshalb auch nur ein Regelbereich zur Verfügung gestellt wird.

Viele Akustik Gitarristen lieben den seidigen und obertonreichen Klang, den man oft auf guten Songs hört oder auch im Bandkontext bemerkt, daß eben hier die Bässe und Mitten stark abgehen. Man meint fast, die Gitarre besteht nur aus hellen, oberen Tönen. Diesen Sound erhältst du ganz einfach in dem du die Bässe und Mitten stark absenktst bis du die gewünschte Klangcharakteristik gefunden hast. Vorteilhaft ist diese Einstellung, wenn ich in einer Band spielen und nicht für das Rhythmus und Bassfundament verantwortlich bin. Als Alleinunterhalter wäre diese Klangeinstellung tödlich, es klingt nur noch nach Blech, aber im Bandkontext kann man die Gitarre wie Zimbeln und Glöckchen hauchen lassen.

Bist du ein wichtiges Element im Song oder du leitest eine Gruppe mit der Gitarre oder du spielst nur mit wenigen Instrumenten zusammen, dann ist die natürliche Klangeinstellung der Akustik Gitarre von Vorteil, es dürfen kräftige Bässe, brilliante Höhen und auch satte Mitten zu hören sein. Habt ihr einen Sänger dabei kann man die Mitten auch absenken und so einen Freiraum schaffen, damit der Sänger sich besser abhebt.

Wichtig ist: spielt man alleine, ist jeder kräftige Sound erwünscht, du musst ja alle Frequenzen ausfüllen, die dir zur Verfügung stehen.

ABER: spielst du in der Band solltest du sehr darauf achten, wo dein Platz im Klangfeld ist und solltest es vermeiden, das Klavier, den Bass oder gar die Sänger / den Gesang oder eine zweite Gitarre zu ÜBERDECKEN. Überdecken meint, du spielst genau in dem Klangfeld, das andere auch benutzen müssen oder wollen. Durch das Spielen auf anderen oder höheren Lagen kann man das sehr leicht vermeiden oder eben den Klang sehr extrem abändern, sodaß die Gitarre nur mit 20% bis 30% ihrer Klangbreite arbeitet. Wie immer ist das Geschmack- und Erfahrungssache und vor allem dem Einsatzzweck unterworfen.

==> Mischpult:

Aufgepasst: zuviele Höhen machen sehr schnell kratzig, nervig, klirrend und zu hell, zuviele Bässe kommen dem Mann am Bass in die Quere, zuviele Mitten machen den Sängern Probleme. Ausserdem können die Monitore einen Mordslärm verursachen, wenn die Akustik Gitarre das "Wummern" und "Dröhnen" anfängt. Alles sorgsam und mit viel Ruhe und Geduld einstellen, immer wieder einen Bandsoundcheck machen und dann wieder alleine mit Akustik Gitarre ausprobieren, das kostet schon eine Menge Zeit, wenn's das erste Mal sein darf über eine P.A. zu spielen. Akustik Gitarren neigen sehr schnell zum Feedback, wenn sich untere Mitten oder Bässe aufschwingen, zuviele Höhen können sehr schnell nervig und unangenehm werden. Lieber die Höhen noch weiter oben einsetzen und vielleicht sogar ab 12kHz und oberhalb probieren, den Klang also seidiger einstellen. Immer wieder Aufnahmen von guten Bands anhören und vergleichen oder ihr habt schon gute und klanglich ausgewogene Konzerte erlebt, dann kann man ja zwischendurch den Boss am Mischpult 'ne Frage stellen, welchen Tipp er dir geben könnte. Vielleicht hilft auch ein Drink oder ne Mass Bier als Motivationsbeschleuniger dazu. Komischerweise klingt die Akustische über Verstärker jeden Tag anders, vor allem wenn ein Saal leer ist.

Stereo & Panorama - sag mal, könnte man auch mal 2 oder 3 Gitarren vielleicht ein bischen Stereo fahren, muss denn alles immer in der Mitte sein? Wie wärs mit einem Chorus oder Doppler Effekt aus dem Delay usw. Über die P.A. kann man trixen, das glaubt kein Mensch. So kann man dem Alltagsbrei wunderbar entkommen und auch mal mit unterschiedlichen Klängen und Rechts-/ Links- Abstufungen durchaus schöne Eindrücke zaubern. Laßt euch mal vom Profi beraten, was es da alles gibt.

==> Effekte:

Hast du schon einmal eine akustische Gitarre ganz trocken über einen Transistoramp, also Akustik Gitarren Verstärker laut gespielt? Das kann sehr schnell wehtun oder auf die Nerven gehen. Was hilft? Wozu gibt es denn Reverb - Chorus - Delays - Flanger - Phaser oder sonstiges? Probier es doch einmal mit einem Effekt, wie dem Chorus, mach das Ding einfach breiter, weiter, weicher, sanfter, dann spielt es sich ja auch gleich viel einfacher. Noch ein Volumenpedal dazu, dann kann ich wunderschön einblenden und muss nicht immer meine Kollegen und Zuhörer nerven, wenn man mit dem Plektrum richtig arbeitet. Chorus und Reverb arbeiten gut zusammen, Delay und Chorus/FLanger/Phaser passen gut aufeinander, oder nur ein sanftes Delay - wie der Mann aus den Bergen. Gute Effekte für Akustik Gitarre lassen dein Herz höher schlagen und geben dir mehr Zeit für das Spiel, du musst nicht so viele Rhythmusschläge hineinpacken. Dann wieder clean spielen und so sich gut abwechseln. Also Ideen sammeln, Effekte ausprobieren, sanft und leicht einsetzen, ab und an wechseln, schon klingt die Akustik Welt anders und doch anregend...

==> Spielweise & Umgebung:

der letzte Punkte sollte uns klar machen, daß jeder Gitarrist anders auf seiner Klampfe schruppt und deshalb ist es wichtig sich mit der Klangeinstellung der Eigenart des Spielers zu widmen und seine Spielcharakteristik zu unterstützen, anzuheben / zu fördern oder mit Effekten auszuschmücken. Fingerstyle Gitarristen habe ich schon mit den verrücktesten Effekten gehört, aber auch die schönsten Stück nur mit blankem Gitarren sound. Wer gut spielt, kann seine Pausen gut auskleiden, wer nicht so versiert ist braucht mehr Hilfe mit Klang und Effekten, sehr unterschiedlich und gar nicht widersprüchlich. Hängt ganz stark von den Liedern, der Spielweise und der Umgebung ab, wie es rüberkommt. Ein Vortrag in einer großen Kirche kann sich beim gleichen Stück ganz anders anhören und beeindrucken, als dasselbe Stück zuhause im Wohnzimmer oder in einem ungastlichen Saal mit vielen glatten Wänden und Böden - du glaubst es nicht, was das für einen Unterschied macht. Bei einer Hochzeitsfeier geht dein Stück unter, weil ständig Unruhe im Saal herrscht, in einer Kirche, wo man die Stecknadel noch hört und langer Nachhall ist, spielst du viel lockerer (wenn es den Sommer ist) weil die Töne sehr lange ausklingen und dich sehr unterstützen. Zuhause in deiner Wohnung hört dir keiner zu und du spielst einfach besser, oder kommt es uns nur so vor?

 

 

 

Aktualisiert ( Donnerstag, den 03. Februar 2011 um 13:07 Uhr )