3. Effektgeräte, Dynamics, Einzeleffektgeräte, Multieffektgeräte, was denn nun?

Tja, wenn du Zeit und Geld hast, dann kannst du anfangs viele Einzelgeräte ausprobieren und dich steigern, am Schluss hast du vielleicht dann 20 Bodentreter in deinem Case? Gibt's alles und neuerdings wieder öfter. Muss aber nicht sein. Vielleicht tut's auch ein wirklich gutes Multieffekt. Aber jedes einzelne Effekt hat seinen Platz und seine Geschichte. Jeder einzelne hat seine Philosophie und eine Vorliebe für eine bestimmte Form der Übersichtlichkeit und Bedienungsfreundlichkeit.

Gehen wir nochmals durch was es so alles gibt: (dies ist keine technisch korrekte Erklärung, sondern nur eine Beschreibung meinerseits für Anfänger)

Verzerrer: Distortion, Overdrive oder Gain , z.B. der Marshall Governour, der alte Ibanez Tube Screamer sind schon KULTartig oder der alte FUZZ, sowie verschiedene Ampsimulatoren in Verstärkern, Effektgeräten oder eben den einzelnen Bodentretern. Verzerrer kannst du zwischen Gitarre und Verstärker schalten oder auch einschleifen, je nachdem, wie es dir besser gefällt und deiner Anwendung entspricht. Hinsichtlich von Transistor Verstärkern sicherlich eine gute Alternative, vor allem, wenn du einen Verstärker ohne Verzerrung besitzt. Die Einzelgeräte kannst du aber auch trotzdem und zusätzlich zu einem Röhrenverstärker benutzen, wenn dir der Grad der Verzerrung noch nicht ausreicht oder du andere, klangliche Charakteristiken erzielen willst, dann wird eben das Ganze nochmals mit deinem Bodentreter aufgemotzt bis es dir gefällt. Ausprobieren ist hier jedenfalls angesagt. Wie bei Verstärkern beschrieben sagen die Hersteller für das Übersteuern der Vorstufe Distortion und für das Übersteuern der Endstufe Overdrive. Frühere Marshall Verstärker hatten noch keine Vorstufen Zerrungen und so wurde das Teil mächtig laut aufgedreht, so daß die Endstufe übersteuerte und zerrte, bestes Beispiel die Background Sonds der Gitarristen von AC/DC und früher natürlich der gute alte Hendrix, Rory Gallagher, Jeff Beck, Clapton usw... !!! Danach modifizierten etliche Elektroniker auch privat ihre Marshall Amps, sodaß sie ein, zwei oder mehrere Vorstufen einbauten - Dann hast du allerdings Druck und Lautstärke ohne Ende.

Verzerrung wurde vor allem durch die Erfindung des Röhrenamps oder der Röhrenvorstufen erreicht, die sich bis heute gehalten haben. Allerdings muss man die Amps tüchtig laut spielen und aufreissen, wenn es knackig klingen soll. Im leisen Bereich matscht es zu sehr. Neue Röhrenamps können da schon sehr gute Ergebnisse erzielen. In der Regel will der Marshall Amp einfach etwas lauter gespielt werden und die Zerrgrade und Stufen sind ebenfalls noch von der Anzahl, der Größe und der Art von Lautsprechern abhängig. Hier wird gezerrt ohne Ende und ausprobieren und anhören ist wie immer Pflichtprogramm.

Kompressoren: sie verdichten das Audiomaterial in einem variablen Verhältnis, z.B. 2:1, 4:1, 16:1, ab einem eingestellten Schwellengrad, dem threshold, z.B. -12dB, -6dB oder -24dB, je nachdem welche leisen Passagen du an die Oberfläche rücken lassen willst. Der Gain Regler zieht das Ganze Material wieder nach oben, denn der Kompressor macht durch die Ratioeinstellung und den threshold das Audiomaterial zunächst leiser, weil er ja verdichtet, dieses kannst du eben mit dem Gain (Lautstärkeregler) wieder an die richtige Lautstärke angleichen. Allerdings zieht er auch deine Nebengeräusche mit hoch und kann zum Pumpen führen, wenn du den threshold sehr niedrig einstellst, wie etwa -24dB - so eingestellt werden die ganz normalen Lautstärken sehr stark komprimiert (bei angenommer Ratio von ca. 4:1 bis 16:1) und die Dynamikunterschiede eines natürlichen Gitarrespieles wird sehr stark beeinträchtigt. Dieser Effekt wird aber gerne verwendet, wenn es pumpen soll, hier gibt es einige Lieder, bei denen du die klare Gitarre so arbeiten hörst. Für die Stimme werden Kompressoren in der Regel sanft und milde eingesetzt, z.B. Ratio von 2:1 bis max. 4:1 und einem threshold von bis zu -12dB je nach Geschmack und Varianz des Sängers - bei Instrumenten kann er eben auch extrem eingestellt werden, je nach gewünschten Effekt. Für das Spielen in der Band wirst du ihn häufig als Limiter einsetzen, damit du für den Gesamtausgang deines Verstärker in etwa immer denselben Pegel hast, was das Mischen für den Toningenieur beim Auftritt entgegenkommt, vorausgesetzt, du hast alle deine Sounds sauber und gleich programmiert und umgehst dann diese Einstellungen nicht mehr, sonst passiert es, daß es plötzlich zu laut oder viel zu leise wird.

Equalizer: der grafische EQ ist am leichtesten zu bedienen, weil die einzelnen Frequenzen schön nebeneinander sichtbar angeordnet sind. Du erhöhst oder erniedrigst einfach die entsprechende Frequenz die dir nicht gefällt. Beim parametrischen EQ wird es schon interessanter. Hier kannst du sowohl das Frequenzband als auch den Erhöhungs- oder Erniedrigungsgrad bestimmen, z.B. 100Hz um 6dB anheben, dies geschieht in Form einer Glockenform die je nach EQ spitz oder rund, schmal oder weit zu laufen kann. Näheres kannst du im Internet nachlesen. In der Regel sucht man sich entweder die schlechteste Frequenz oder die am besten klingende Frequenz aus und erhöht oder erniedrigt diese bis es passt. Dann gibt es noch den Shelving EQ, ab dessen eingestellten Wert alle Frequenzen oberhalb oder unterhalb um die gleiche Portion angehoben oder abgesenkt werden. Hifi Anlagen sind of mit solchen Shelving EQ's ausgerüstet, d.h. das Treble z.B. ab 10kHz alle höheren Frequenzen um den Wert deines Drehpotis angehoben werden, je nach dem halt, wie weit du nach rechts (anheben) oder nach links (absenken) drehst. Bei dem Bass Regler werden alle Frequenzen unterhalb 100 Hz angehoben oder abgesenkt, je nachdem was deine Anlage hergibt hört man das auch gleich.

Flanger: einer der ältesten Modulationseffekte, die Gitarristen kennen. Die Gitarre klingt weicher und die Töne werden verändert, moduliert, sie schweben auf und ab, indem auch bestimmte Anteile hinzugemischt werden, (auch Jet Flanger Beispiele) hier gibt es Einstellungen wie Delay (Verzögerung), speed (Geschwindigkeit) und intensivität. Schwer zu beschreiben, hört euch einfach Beispiele an oder probiert ihn aus.

Phaser: immer öfter hört man bei Songs, daß Stimmen oder der ganze Mix durch den Phaser gejagt werden. Ich kann mich noch an den guten alten MXR Phaser erinnern, den jeder von uns haben musste. Bei der Gitarre ein bekannter Effekt, den man hier und da mal einsetzt. Ebenfalls ein Schwebeeffekt aber anders als der Flanger.

Chorus: der wohl beliebteste Effekt bei Akustik und E-Gitarren, er macht den Klang breit, indem er die Signal doppelt, verschiebt und modulieren lässt, je nach dem wie du ihn einstellst. Der weiche und smoothige Sound läßt jedes Gitarristen Herz höher schlagen. Manche Profis und Amateur Spieler geben richtig viel Geld für einen guten Chorus Effekt aus. Der Doppler Effekt könnte auch mit einem Echo nachgemacht werden welches man mit 25 bis 50 ms einstellt und dann Stereo mäßig trennt. Man sagt auch "die Gitarre breiter oder tiefer" machen. Es entsteht der Eindruck, daß zwei Gitarren spielen. Den Effekt kann man auch bei Aufnahmen erreichen, indem man z.B. eine Begleitung oder ein Solo zweimal aufnimmt. Da du es nie schaffst, es 100%ig und zeitlich genau zu spielen, ergeben sich Phasenverschiebungen, die wie ein Chorus Effekt wirken.

Hall (Reverb): früher in Verstärkern mittels eines Federhalls (spring) oder einer Metallplatte (plate) erreicht und ebenfalls einer der ältesten und wichtigsten Effekte seit Beginn der E-Gitarre. Zum Hall selber muss man nicht viel sagen: stell dich in ein gekacheltes Badezimmer oder in die Kirche, einen Dom, eine Flughafenhalle oder in die Berge - schon hallt es dir um die Ohren. Reverb geht von sehr kurz und aufdringlich bis nach Riesengroß. Im Effekt kannst du die Hallgröße, die Reflektionsparameter, die Pre Delay Time und den Anteil im Mix einstellen. Gut eingestellt gibt es der Gitarre den Eindruck, als ob sie aus dem Hintergrund, den Bergen hervortritt. Der Hall oder das Reverb ist einer der wichtigsten Effekte an der Gitarre und vor allem beim Mix der Stimmen sehr wichtig.

Delay (Echo): im Prinzip eine regelmäßige Wiederholung des Gitarrensignales. Wer jodelt kennt diesen Effekt bestimmt, du stellst dich auf einen Berg in den Alpen und trällerst drauf los und bald kommt da was zurück und wiederholt sich. Wer kennt nicht das gute alte Roland Space Echo mit Bandantrieb? Was wurde da während des Auftritts gedreht, gedrückt, verändert und gespielt, bis der Gitarrist zum Schluss gar nicht mehr spielen brauchte, weil die Endlosschleife das Ganze wie eine Band abspulte. Das Delay ist ein ebenso wichtiger Effekt wie der Hall, sind aber doch in der Basis unterschiedlich zu bewerten. Hier gibt es Parameter wie Pre Delay, Delay Time, Feedback, Mix usw. damit du das Echo so einstellen kannst, wie du es auf CD, Platte oder im Konzert gehört hast. Delay's können per Notenwerte eingegeben oder ausgerechnet werden, du kannst sie triolisch einstellen, ganz kurz eingestellt klingt es nach 60er Jahre (unter 100ms) wie Early Reflections, unter 50ms hört es sich an wie ein Chorus Effekt, ab 500msec wird es dann weit und breit. Beim Delay ist es noch viel wichtiger den Beat, den Takt, das Tempo zu beachten, als wie bei einem Reverb, sonst geht der Gesamt Mix in Matsch und Durcheinander Chaos unter. Informiere dich über Delay Tabellen und deren Zuordnung für den Takt und das Tempo und probiere dies an einem Stück aus.

Das Einstellen von Flanger, Chorus, Hall und Delay gehört wohl zu den kniffigsten Geschichten beim Gitarre spielen, wenn es richtig gut klingen soll. Hier ist enorm viel Übung nötig. Deine Bedienungsanleitung wird dir zwar helfen, vielleicht findest du auch im Internet sogar gute Tipps, das ganze richtet sich jedoch immer nach dem Tempo deines Liedes und danach, ob du Begleitung oder Solo spielst und vor allem wie du spielst. In den Multieffektgeräten sind meist recht brauchbare Programmierbeispiele dabei, auf denen du aufbauen kannst und dann verfeinerst, sieh dir dazu einfach die verschiedenen Parameter Einstellungen an und verändere sie solange, bis du etwas neues erreicht hast, dann vergiss nicht, es zu notieren und abzuspeichern, sonst "wech ist das Blech". Mir gingen schon die besten Sounds verloren, weil irgendetwas falsch gedrückt wurde und danach hab ich es nicht mehr hingekriegt :-((

Pitch: Sozusagen ein Doppler und Tonhöheneffekt, er verändert den leicht um ein paar Cent oder stark verdrehten Ton und legt es zum Original hinzu, dadurch kannst du Chorus Effekte erreichen, als auch wie mit 3 Gitarren spielen, je nachdem, wie ausgereift dein Gerät ist und welche Parameter es dir anbietet (Terzen, Quarten, Quinten, Oktaven usw.) Ich denke Brian May von den Queen war der erste, der mit solchen Effekten professionell umging und sie selber programmierte und einsetzte. Der Sound war sein Erkennungszeichen. Natürlich könnte man auch im Aufnahmeverfahren einfach das Solo 3x oder 5x aufnehmen - aber im Livebetrieb sieht das dann doch etwas anders aus.... Heutzutage kriegst du das ab einem bestimmten Preis gerne gratis dazu. In bestimmten Multieffektgeräten kann man über Pitch sogar in einer bestimmten Tonart entsprechende Töne hinzuprogrammieren, die aber nr dann funktionieren, wenn du die richtigen Töne deiner Leiter spielst. z.B. in meinem Nova System von T.C. Electronic gibt es da die abgefahrensten Möglichkeiten und es klingt noch ganz amtlich. Im Menü wirst du über die Tonart (C, D, G-dur) und die Skalentypen abgefragt, z.B. ionisch, lydisch, mexolydisch, danach solltest du dich dann auch in dieser Tonart aufhalten.

Tremolo und Vibrato: Tja, da werd ich richtig sentimental. Mein erster Transistor Verstärker (Marlboro für 500.-DM) der hatte einen tollen Knopf: Tremolo oder Vibrato, welches abgehackte oder stackato ähnliche Wellen erzeugt, wie es auch heute noch gerne Eric Clapton verwendet. Mit Sicherheit ein fast genauso alter Effekt wie der Federhall und das Echo.

Wichtig wäre vielleicht noch eine Sache, gerade wenn du noch Einsteiger bist und das richtige Teil für dich suchst: Immer unterscheiden, ob du klar spielst oder verzerrt, Transistor oder Röhrenverstärker, je nachdem mit etwas Vorsicht und Geschmack die Geschichten einsetzen. Es kommt ja auch darauf an, ob du nur zuhause spielst oder dich in der Band durchsetzen musst, da ist ein total überladener Hammersound vielleicht gar nicht mehr zu hören und du musst deine schönen Effekte wieder eines nach dem anderen herausnehmen, was dir so kostbar erschien.

Zum Schluß blieben noch die Speaker Simulationen, die vortäuschen, du würdest auf 3 Marhall Türmen spielen, oder 'nen Combo, oder über einen Mesa Boogie Amp, einen Vox oder Fender Twin Reverb oder verschiedenen Lautsprecher Typen wie Celestion, ElectroVoice, Rockdriver oder schag mich tot - Lautsprecher spielen.

Das letzte der Gefühle wäre dann beim Gitarren Synthesizer zu sehen, dann weißt du aber nicht mehr, ob du Pianospieler, Flötist, Orchesterviolist oder sonst was bist, hier steige ich aus und lasse es dir über, wie raffiniert und abgebrüht du mit der Gitarre und den Soundmöglichkeiten umgehen willst. Mit dem Synthesizer kannst du fast alle Instrumente nachmachen, doppeln, übereinanderlegen oder sonst was machen. Ich habe ein paar Leute damit rummachen sehen und ein bekanntes Solo dafür ist von Trevor Horn zu hören, der als Gitarrist bei den "Yes" mit einem Synthesizer-Sound bei "owner of a lonely heart" sich Respekt und Bewunderung einheimste.

Letztlich hängt es auch an deiner Art, wie du in der Band Gitarre spielst - bist du ein Draufgänger und Frontmann, dann hängt auch an deiner Spielweise und deinem Auftreten sehr viel am Wiedererkennungwert deiner Band und du kannst relativ viel herumspielen und Effekte einsetzen, weil du die Führungsperson bist.

Bist du ein Begleitgitarrist und gibst deinem Solomann die Rückendeckung und du bist für das Fundament im Rhythmus zuständig, dann solltest du deine Sounds nicht überfrachten, sonst hört man nicht mehr, was denn nu gespielt wird, es matscht nur noch alles. Was rede i ch, hör dir einfach die guten Bands an: von AC/DC bis ZZ-Top, sie beherrschen alle das Geheimnis vom einfachen, richtig eingesetzten und damit aber brutal guten Sound ohne viel Gimmicks. WENIGER IST MEHR, diese Devise gilt auch hier und fällt dir sicherlich genauso schwer wie mir, denn als Gitarrist liebst du einfach die Klänge und Sounds, die dir heutzutage angeboten werden.

Wie schon bei den Multieffektgeräten beschrieben, werden sie vor dem Verstärker geschaltet oder über Send und Return eingeschliffen, was für den Klang sehr bedeutsam oder auch kritisch sein kann.

Effektgeräte machen glücklich, erfreuen das Herz jedes Gitarristen und sind einfach nicht mehr wegzudenken. Gut, daß es sie gibt und glücklich derjenige, der sie in genau dem Maße einsetzen kann, damit es rund, gut und sauber klingt, je nach Liedertyp und Geschmack - und mit einem hohem Wiedererkennungswert für dich und deine Band. Ran an den Speck und ausprobieren.

 

Aktualisiert ( Sonntag, den 16. Januar 2011 um 21:35 Uhr )