1. Kopfplatte

Für E-Gitarristen die an weiterführenden Kenntnissen und Informationen interessiert sind, möchte ich auf die vielseitige Literatur hinweisen, die euch im Detail genau über Geschichte, Herkunft, Materialien und Verarbeitung wesentlich mehr vermittelt, als ich es hier könnte. Deshalb möchte ich nur einen kurzen Einblick in die wichtigsten Bestandteile und Merkmale bei E-Gitarren geben.

Vielleicht ist dir auch aufgefallen, daß man bereits an der Form der Kopfplatte den Hersteller schon erahnen oder deuten kann. Eine Gibson, Fender, Ibanez, Rickenbacker, Yamaha, Jackson, PRS, Guild, Gretsch, B.C. Rich, Hagstrom oder Squier -Kopfplatte gibt dir gleich einen eindrucksvollen Hinweis, mit wem du es zu tun hast. Unterschiedlichste Formen und Variationen lassen erkennen, welches Gerät du spielst.

Beispielsweise verwendet Fender unsymmetrische Formen und Gibson eher symmetrische Kopfplattenformen. Auch Kopflose Gitarren sind schon auf dem Markt geworfen worden, wobei hier die Saiten am Body eingestellt werden können. Dabei sind Kriterien wie Stärke, Gewicht, Winkel und Holzarten teilweise von entscheidender Bedeutung. Ausserdem muss die Kopfplatte in der Lage sein, den Zugspannungen der Saiten herzuhalten. In der Regel sind die Kopfplatten mit dem Hals aus demselben Holz gefertigt. Durchgehend verleimte Hälse können auch aus 2, 3 oder mehreren Teilen und Hölzern bestehen. Dies alles dient den Kriterien der Stabilität, des Sustain, der Bespielbarkeit und Saitenlage und Saitenspannung. All diese Aspekte in Zusammenhang mit der Verschönerung durch Funiere, Zierleisten und andere Teile oder auch Farben gehen in die Entwürfe und Vorstellungen der Hersteller und Kundenwünsche ein.

Ist der Kopf abgebrochen so ist sogar möglich diesen wieder einzuleimen, manche behaupten, er würde sogar danach noch mehr an Stabilität vorweisen. Keine Ahnung - aber wer sparen muss, könnte diese Lösung in Betracht ziehen, vor allem wenn es sich um ein sehr wertvolles Exemplar aus alten Zeiten handelt. Euer Guitar Repair Laden (München usw...) gibt euch dazu bestimmt Auskunft wie viel euch so etwas kosten könnte.

2. Mechaniken

vornehmliche Aufgabe der Mechaniken ist natürlich, die Gitarre fein und anhaltend stimmen zu können. Im Laufe der Jahre haben sich einige Hersteller darauf spezialisiert, die raffniertesten Mechaniken anzubieten. Eine kleine Auswahl an Möglichkeiten, die Gitarre mit besseren oder praktischen Lösungen aufzuwerten sind folgende:

  1. Firma Schaller, Planet-Waves, Sperzel Trim-lock, Fender & Gibson Mechaniken, Gotoh Magnum-lock

Natürlich hat auch die Bestückung und die Platzierung der Mechaniken einige Hintergründe zu bieten, so bestehen einige Hersteller auf symmetrische Aufteilung am Kopf, also oben und unten, bei Fender ist alles unsymmetrisch in einer Reihe der Kopfplatte angeordnet, andere bieten oben 4 und unten 2 Mechaniken an. Bei den Jackson Gitarren findet man die Mechaniken auf der Unterseite. Bei Kopflosen Gitarren wird dann eben über den Vibratoblock justiert und eingespannt, je nach Geschmack, Preis und Design gibts alles.

3. Saitenniederhalter

Wer sich schon einmal eine Strat angesehen hat wird bemerkt haben, daß manche Modelle mit einem oder auch zwei Niederhaltern ausgerüstet sind, um den Saiten auf dem Sattel genügend Druck zu geben. Dies ist je nach Kopfwinkel sogar erforderlich. Manche Gitarren weisen einen ganzen Stab auf. Leider sind bei günstigeren Gitarren diese Niederhalter recht billiger Natur, es entsteht unnötige Reibung, daher sind manche Niederhalter mit Rollen ausgestattet. Auch hier kannst du deine Strat oder Tele so richtig aufwerten mit besserem Material und erreichst dadurch wieder mehr Stimmgenauigkeit, vor allem wenn du ein Freund vieler Bendings und Saitenschreddereien bist.

4. Hals, Griffbrett, Bünde, Sattel und Mensur (Länge)

manche Sättel werden einfach nur auf den Hals aufgeleimt, andere werden ein paar wenige Millimeter eingelassen, um ihn so die nötige Festigkeit zu geben. Materialien hierfür sind z.B. Kunststoffe in verschiedenen Qualitäten und Härten, auch Metalle wie Messing werden verwendet oder gar Sättel aus Graphit oder Knochen, Elfenbein kommen zum Einsatz. Bei E-Gitarren kann man auch Sättel finden, die für die Saiten Aufnahmen in Form von Rollen vorweisen. Wie auch bei akustischen Gitarren kommen auch Nullbundsättel vor, je nach Zweck und Musikstil.

a) Hälse werden entweder geschraubt, wie bei Fender Gitarren und deren Derivaten oder eingeleimt oder sind sogar durchgehend.

Geschraubte Hälse haben natürlich einen enormen Vorteil bei der Herstellung - diese ist relativ einfach und kostengünstig zu bewerkstelligen und erlaubt einen simplen Austausch bei Bruch des Halses. Wenige oder mehrere Schrauben können sich vorfinden, im Prinzip sollte alles funktionieren. Mehr Schrauben bedeutet allerdings nicht bessere Qualität.

Wie man sich vorstellen kann bedarf es bei eingeleimten Hälsen einer höheren Präzision und das Instrument wird natürlich dadurch teuerer, weist aber auch einen intensiveren Sustain auf. Die Designs entsprechen in der Regel dem der akustischen Gitarren wie in den vorigen Artikel kurz angeschnitten.

Beim durchgehenden Hals sind die Bodyteile oben und unten angeleimt, der durchgehende Hals stellt also das komplette Mittelstück dar. Bei E-Gitarren hat sich jedoch diese Form nicht bahnbrechend durchgesetzt oder gar die Marktanteile von Fender oder Gibson angegriffen. Es bleibt den Einzelstücken vorbehalten.

Was klingt denn nun besser? Was denkst du? Wäre die Schraubverbindung in irgendeiner Weise schlechter - ich denke die Stückzahlen an Strats und Teles würde nicht so hoch sein. Tatsächlich klingt auch eine Schraubverbindung recht gut: ihr wird ein schnelles, dynamisches und transparentes Klangbild zugeschrieben, wohingegen ein geleimter Hals eher wärmer, abgerundeter oder tiefer, satter klingt. Auch im Sustain denkt man an Vorteile. Tatsächlich klingt auch eine Strat ziemlich lang aus, eine Les Paul Form klingt eben noch anders und bei anderen Hestellern muss man testen, was diese Bauweise nun tatsächlich an Vorteilen bringt. Für eine Rockshow mit kurzen und knackigen Riffs, wo es schreien, scheppern und pfeiffen darf wäre vielleicht ein langes Sustain eher hinderlich, nicht wahr? Der eingeleimte Hals spielt sich jedoch ganz anders, die Bünde sind schmäler als bei einer Strat und Tele und es wird wieder die Frage nach dem Gesamtsystem wichtig. Letztlich ist es deine Geschmacksache, Qualitätiv ist alles in jahrelanger Erfahrung etabliert und liefert die entsprechenden und guten Klangbildeffekte.

b) Die Halsquerschnitt sind ebenfalls unterschiedlich, das wirst du dann vor allem gemerkt haben, wenn du zum ersten Mal eine Gitarre anfasst und feststellst, ob dir die Halsform zusagt oder nicht. Verschiedene Formen werden mit Buchstaben gekennzeichnet zwecks einfacherer Erklärung: C oder D oder U oder auch V-Formen sind erhältlich. Je nachdem welche Handgröße du hast, wirst du die entsprechende Halsform suchen.

c) Als Hölzer verwenden die meisten Hersteller Ahorn bei geschraubten oder Mahagoni bei geleimten Hälsen. Ahorn weist eine höhere Dichte auf und ist demnach schneller ansprechend und liefert brilliante, transparente Klänge. Mahagoni soll wärmer und ausgewogener klingen. Typischerweise hat die Ahorn Wahl bei den Fendergitarren genau den gewünschten Effekt erzielt um der Gitarre den typischen Sound zu geben, dabei sind auch Kriterien wie Stabilität, Gewicht, Preis und Verfügbarkeit in Betracht zu ziehen.

Da die Hälse aus einem Teil Stamm gesägt werden erscheint es uns natürlich selbstverständlich, daß hier keine Äste, Verwucherungen oder sonstige Störungen im Holzstamm sein sollten, da diese die Schwingungen und Stabilität negativ beeinflussen würden. Auch eingelegte Stück, Streifen und dergleichen obliegen wieder dem Designcharakter der Hersteller und jeder schwört auf seine Verarbeitungsphilosophien. Wie bei den Akustikgitarren können die Hälse liegend oder stehend ausgeschnitten werden.

d) Dann wären wir beim schönsten Teil des Halses, dem Griffbrett und seinen Hölzern. Ich denke, dass jeder schon einmal von Ebenholz gehört hat, welches neben Palisanderholz am häufigsten verwendet wird. Je nach Maserung, Härte und Oberfläche kommen diese Materialien mit und ohne Lackierung zum Einsatz. Bei den Fendergitarren siehst du lackierte Ahornhälse in Naturfarbe, die dunklen, fast schwarzen Hälse sind dementsprechend aus Ebenholz oder Palisander.

e) Ein wichtiges Kriterium und enorme Spielhilfe sind natürlich die Bundmarker, Griffbrett Einlagen, die uns schnell helfen, welchen Bund wir gerade bedienen wollen. Diese Verzierungen können sehr aufwändig sein oder nur durch einen Punkt in der Mitte des Bundes oder oben angedeutet sein. Ein Gitarrist hat dann noch auf sich aufmerksam gemacht, indem er die Bünde hat aushöhlen (scalloped) lassen: Ritchie Blackmore. Sein Hintergrund sei die schnellere Bespielbarkeit und verrückte Techniken beim Bending gewesen.

Auf der Griffbrettseite gibt es dann verschiedene Bogenmaße, die entsprechend dem Modell stärker oder flacher ausfallen. Dies ist je nach Gitarrentyp und Einsatzzweck weniger oder mehr stark ausgebildet und kann für dich ein entscheidendes Kritierium der Bespielbarkeit sein.

f) Selbst die Bünde und deren Formen sind nicht der Willkür überlassen. Teste doch einmal eine Fender Strat, eine Gibson Les Paul, eine Yamaha Pacifica, eine Ibanez SA oder JEM Serie usw. Du wirst feststellen, daß sich die Hälse auch schon oder wegen der Höhe und Form der Bünde sehr unterschiedlich spielen lassen. Der eine bevorzugt schmale und mittelhohe Bünde, der andere breite, griffige und hohe Bünde, der andere mag niedrige und breite, ein anderer niedrige und schmale Bünde und was sonst noch?

g) Mensur - Länge der freischwingenden Saite. Die Standard Länge einer Gitarrensaite beträgt etwa 65cm, genau 64,8cm, was etwa 25,5 Zoll entspricht. Interessanterweise hat sich Gibson für eine etwas kürzere Mensur von 62,8cm entschieden, wohingegen Fender bei den ursprünglichen Länge blieb. Dazwischen gibt es noch Größen, wie sie PRS verwendet - nämlich um die 63,5 cm.

h) Bundreinheit oder Oktavreinheit einer E-Gitarre. Da die 6 Saiten einer Gitarre unterschiedlich dick sind und am Bund mit unterschiedlichem Druck bedient werden erscheint es dir sicherlich nicht fremd, daß dir der freundliche Verkäufer im Gitarrenladen nahe bringen möchte, daß es keine Gitarre gäbe, die absolut bund- oder oktavrein wäre. Aus diesem Grund haben die Hersteller die Möglichkeit mit den verschiebbaren Saitenreitern erfunden, um diesem Problem zu begegnen. Mit einem Schraubenzieher oder Imbusschlüssel kann man hier die Länge der Saiten so verändern, bis man meint, in jeder Bundlage saubere, reine Akkorde oder Töne zu entlocken. Da dies nicht 100%ig zu erreichen ist muss man einen Kompromiss finden, der sich zwischen Grundlage, als den ersten 3 bis 5 Bünden und den höheren Lagen ergibt. Wer sich mit einer Einsteigergitarre angefreundet hat wird dies bestimmt merken, wenn er beginnt, alle Bundlagen auszureizen. Oder man spielt im verzerrten Bereich Powerchords in verschiedenen Lagen mit offenen Saiten wie der tiefen E, A oder D-Saiten und wundert sich über diverse Dissonanzen. Hat mich schon fast um den Verstand gebracht, am Schluss weißt du nicht mehr, wo hin du die Saitenreiter hin- oder herschrauben sollst. Ein guter fachkundiger Gitarrist oder Gitarrenbauer könnte dir hier schnell und sauber helfen. Die ganze Sache hängt auch an der Verarbeitungsqualität, dem Preis, den Hölzern und der Genauigkeit, mit der die Bünde auf dem Griffbrett justiert werden, selbst die Biegung des Halses spielt dabei eine Rolle.

In einem guten Gitarrenladen wird der fachkundige Mitarbeiter bereits jede Gitarre feingestimmt haben, bevor er sie in den Laden stellt. Dann solltest du allerdings auch nicht rumschrauben. Veränderst du nur die Saitenhöhe am Steg oder Vibratoblock könnte dies schon Verstimmungen hervorrufen, also vorsichtig hantieren, die Original Einstellung eventuell markieren, falls möglich.

i) Der Stahlstab - wie bei den Akustischen Gitarren schon erklärt, funktioniert dieser in zwei Richtungen - entweder der Hals biegt sich nach vorne oder nach hinten, je nachdem in welche Richtung man die Schraube dreht. Zieht man stärkere oder sehr viel schwächere Saiten auf, als bei Auslieferung, kann es sein, den Hals nachjustieren zu müssen. Wer dies noch nicht gemacht hat, sollte lieber fachkundige Hilfe annehmen oder es im Musikgeschäft oder beim Fachmann einstellen lassen. Wer an einer billigen Gitarre üben kann ohne Schäden zu fürchten kann sich hier Erfahrungen sammeln. Es ist zu beachten, daß schon geringe Veränderungen Auswirkungen haben können. Also erst mal in Viertelumdrehungen arbeiten und den Hals immer wieder von der Unterseite auch mit dem Kimme-Korn Blick wie bei einem Gewehr prüfen, ob sich schon etwas bewegt hat.

5. Korpus - Formen und Materialien

Hier muss ich nicht mehr viel sagen, wer sie einmal ansieht kann zumindest 2 sehr unterschiedlich Korpusformen bei E-Gitarren nennen: die typische  Stratocaster und Telecasterform mit unsymmetrischen Cutaway Hörnern, die im Vergleich zu anderen Cutaway Formen bei akustischen oder E-Gitarren weit nach aussen gezogen wurden, um so dem Tragekomfort Rechnung zu tragen und das Instrument fühlt sich wunderbar balanciert an. Die verschieden langen Cutaway Enden werden auch als offset-cutaway Form benannt.

Bei der typischen Les Paul Form gibt es die Möglichkeiten mit kompletter Korpusform, als ähnlich einer akustischen Dreadnought Form nur viel kleiner, da der Korpus aus durchgängigem Holz ist und ein viel höheres Gewicht aufweist. Hier wäre die single-cutaway (Typische Les Paul Form)  und double-cutaway Form (z.B. eine PRS) zu nennen, mit entweder einer Aussparung oder zwei Aussparungen am Halsübergang, um eine bequemere Bundbespielbarkeit zu erreichen.

Mit der Gibson Explorer und Firebird und der Fender Jazzmaster finden wir dann die offset-cutaway Formen wieder.

Am Schluss finden wir dann die extravaganten Formen wieder, wie eine Flying V und diverse andere Gitarren, die sich nicht mehr einordnen lassen, dazu gehören auch die Kopflosen Gitarren und Spezialbauten, wie die von Teuffel usw...

6. Fazit

Wir sehen also, daß es sogar möglich ist, sich komplett eine E-Gitarre aus Einzelteilen selbst zu bauen. Im Artikel "Elektrisches in Gitarren" der Rubrik Equipment findest du dann noch die wesentlichen Unterschiede bei Pickups, Hardware und Verschaltungen. Viele kreative Menschen haben sich schon in den 70er und 80er Jahren Gitarren umgebaut oder umbauen lassen, mit Pickups, anderen Verschaltungen versehen, Hälse ausgetauscht oder wie ich - sogar einen kompletten Body neu lackieren lassen. Bessere Vibratoblöcke, Stege, Sättel, Federn, Saitenreiter, Ton- und Volumenpotis, Kabelbuchsen, aktive oder passive System, zusätzliche Piezoabnehmer, sogar neue Bundierungen, alles möglich heute und deinem Ideenreichtum sind keine Grenzen mehr gesetzt.

Wer im Besitz einer wertvollen und originalen Fender, Les Paul oder anderen Einzelstücken ist, dem rate ich das Teil zu belassen, bis auf den Austausch von besseren Mechaniken, z.B. Sperzel Mechaniken, den Austausch von besseren Tonabnehmern wie DiMarzio, Seymour Duncan oder Vintage Serien oder einen speziellen Vibratoblock. Jeder Eingriff ist eben auch ein kleines oder größeres Risiko und bedarf handwerklicher und elektrischer Erfahrung. Eine gute Beratung verhindert schlimmeres. Also vorher immer einen Plan machen, Erkundigungen einziehen, Preis festsetzen und dann lostreten. Wenn möglich keine Käufe aus dem Bauchgefühl heraus machen. Das wär es schon

Viel Spass mit eueren Gitarren, Umbauten, Modifikationen und wir sehen uns vielleicht, Euer Martin

 

 

 

 

Aktualisiert ( Samstag, den 15. Januar 2011 um 12:13 Uhr )